Es ist ja nicht so, dass wir immer das selbe machen. Ganz im Gegenteil. Wir haben einen Rahmen und versuchen den bei jedem Projekt mit neuen Ansätzen und Ideen zu füllen. So war es auch im Fall des Cascade Magazins. Deswegen weiß man über ein Projekt erst dann alles, wenn es läuft. Das ist selbst dann nicht alles. Und: Es läuft ja nicht immer alles glatt, manchmal ergeben sich Dinge von selbst, die man gar nicht bedacht hatte, die das Projekt aber erst so liebenswert machen. Hier sind 3 davon.
1. Scrollen ist die einfachste Art der Navigation

Es gibt ja in den Köpfen vieler Webdesigner noch immer den Grundsatz, dass man möglichst viel Content in den oberen Bereich einer Seite packt, möglichst wenig auf eine Seite und alles erreichbar macht über die Navigation. Das mag zunächst nachvollziehbar klingen, es ist ja wie mit Zeitungen: Die relevantesten Informationen stehen über dem Knick der Zeitung, die im Kiosk irgendwo ausliegt. Nur ist im Webbrowser die einfachste Form der Navigation eben nicht das durchklicken oder -blättern durch einen Navigationsbaum, sondern: Scrollen.
Aus unserer Statistik geht hervor, dass die Leute meistens auf die Startseite kommen und sich dann von Artikel zu Artikel durcharbeiten. Ich schätze, dass die meisten User auf der Startseite runterscrollen und dann die interessant scheinenden Artikel in einem neuen Tab öffnen, um sie anschließend der Reihe nach »abzuarbeiten«. Dabei werden im oberen Bereich mehr Artikel geöffnet als im Unteren (logisch: die oben sind aktuell und noch eher ungelesen, die im unteren Bereich verlieren so je weiter unten man ist, an Relevanz).
Im Prinzip kann ich ähnliches an mir selbst beobachten: Auf Nachrichtenseiten scrolle ich auch eher, als dass ich mich durch Ressorts klicke – obwohl mich nur wenige der angebotenen Ressorts interessieren.
Was bedeutet das?
Es ist ganz klar, dass man dieses Verhalten bei Weblayouts mitberücksichtigen muss. Die Webseite muss für Scroller wie für Klicker ein angenehmes Erlebnis liefern. Ich denke, dass viele Webseiten gar keine großartigen Unterseiten brauchen, sie brauchen eher ein Layout, eine typografische Aufbereitung, die den User beim Scrollen besser führt, als es bisher auf vielen Seiten der Fall ist. Schön zu sehen ist es z.B. auf der Webseite des Projektmanagement-Tools Basecamp. Im Prinzip reicht es auf der Startseite zu bleiben, man verpasst trotzdem kaum eine Information. An der richtigen Position wird ein großer Button zur Registrierung eingefügt, die kleinen Informationen rundherum haben trotzdem genug Platz zum Atmen. Und trotzdem gibt es die Möglichkeit einer klassischen Navigation, nur eben dezenter als man es gewohnt ist. So macht es Sinn.
2. Nichts geht über die Googlesuche

Die webseiteninterne Suche wird kaum genutzt. Das liegt zum einen daran, dass die Seite vor allem Eindrücke und Inspiration bietet, man will immer wieder Neues finden, auf die älteren Artikel greift man eher selten zu. Und bei der jetzigen Webseitengröße findet man sie noch komfortabel auf der Startseite. Zum anderen denke ich, dass die meisten User, die auf der Suche nach etwas konkretem sind, den Suchbegriff einfach bei Google eingeben, vielleicht in Verbindung mit dem Begriff "Cascade". Solche Zugriffe hatten wir auch schon.
Was bedeutet das?
Eine Suchfunktion, die als reine Suche fungiert, wird auf Webseiten immer unwichtiger. Vermutlich wird die Suche auf großen Nachrichtenportal auch verhältnismäßig selten genutzt (Statistiken dazu würden mich interessieren). Google hat uns im Griff. Eine Suchfunktion muss also einen Mehrwert bieten, warum soll ich direkt auf der Webseite suchen, was macht die Suchfunktion dort besser als Google?
Vor allem auf solchen »Inspirationsseiten« lässt sich das gut lösen, indem man dem Suchenden zunächst einige Informationen entlockt und ihm so versucht das optimale Ergebnis zu präsentieren. Das kann Google auch mit Befehlen, die kaum jemand kennt, es lässt sich aber sicher komfortabler gestalten.
3. Die Menschen haben ein Herz

Zum Start des Webportals haben alle Abonnenten eine Postkarte bekommen, auf der ein Code gedruckt war, mit Hilfe dessen sie sich auf der Cascade Webseite einloggen und eines von vier Postern kostenlos bestellen konnten. Als »Willkommen im Internet« Präsent. Zur Auswahl gab es vier Motive: Einen schön fotografierten Salat, den Betoninnenraum einer Kirche im M.C. Escher Stil, einen Ausblick vom Furka-Pass in der Schweiz und zuletzt unser süßes »Redaktionshäschen«. Lange Zeit lag letzteres bei den Bestellungen vorne, bis es dann doch vom fotografisch wohl stärkeren Motiv »Furka-Pass« eingeholt wurde.
Was bedeutet das?
Cascade ist für die User ganz klar Beton, das wurde unmissverständlich kommuniziert, gerade das fanden viele so überraschend und positiv. Trotzdem wählen die meisten User ein Plakatmotiv, das von dieser Eigenschaft weggeht, das warm ist. Es ist also möglich, vielleicht sogar nötig, dass eine Marke Menschlichkeit zeigt. Sie steht nicht irgendwo über den Menschen und sagt ihnen in Werbespots was sie zu kaufen haben. Es ist möglich sie cool und sympathisch gleichzeitig wirken zu lassen. Und: Man kann ein Produkt auch kommunizieren und verkaufen, wenn man es nicht abbildet, ja sogar dann, wenn man etwas abbildet, das zunächst nichts mit dem Produkt zu tun hat. Wir haben es immer gepredigt und fühlen uns jetzt nur darin bestärkt.
Ich hoffe aus dieser pseudoselbstreflektiven Analyse konnten nicht nur wir etwas mitnehmen, sondern auch Sie. Wir freuen uns über Feedback und Anmerkungen hier in den Kommentaren oder bei Twitter.